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Internationale Erfahrungen bei der Standortauswahl für Endlager: BGE TEC beteiligt sich an technischem Dokument der IAEA

Elf nationale Programme wirken an einem technischen Dokument der IAEA zu Kriterien der Standortauswahl und gewonnenen Erfahrungen mit, dessen Veröffentlichung für 2027 erwartet wird.

Six people standing in front of a large display of international national flags in an IAEA building interior.

Members of the international core expert group at the IAEA Consultancy Meeting on site selection criteria for radioactive waste disposal programmes, Vienna.

Vom 3. bis 7. Mai 2026 veranstaltete die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) in Wien ein Consultancy Meeting zur weiteren Ausarbeitung eines technischen Dokuments über Kriterien der Standortauswahl in Programmen zur Entsorgung radioaktiver Abfälle. Das Treffen brachte eine internationale Kerngruppe von Expertinnen und Experten zusammen, die mit der Erarbeitung einer strukturierten Zusammenstellung von Erfahrungen und Erkenntnissen aus nationalen Standortauswahlverfahren aus elf Programmen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien beauftragt ist.

Die Initiative geht auf einen Wunsch der Mitgliedstaaten während einer Plenarsitzung des Underground Research Facilities (URF) Network der IAEA im Jahr 2019 zurück. Obwohl der Name des Netzwerks speziell auf Untertagelabore verweist, umfasst dessen Arbeitsbereich sämtliche Aspekte der Roadmap für tiefengeologische Endlager, einschließlich der frühen Phasen der Programmentwicklung. Das technische Dokument soll Staaten unterstützen, die sich im Aufbau nationaler Programme zur Entsorgung radioaktiver Abfälle befinden und noch kein formales Standortauswahlverfahren eingeleitet haben.

Dr. Andree Lommerzheim von der BGE TECHNOLOGY GmbH (BGE TEC) gehört der Kerngruppe seit ihrer Einrichtung an. Er berichtete über die deutschen Erfahrungen im Standortauswahlverfahren, wirkte an der Erstellung und Überarbeitung des technischen Dokuments mit und nimmt an den Plenarsitzungen teil, in denen Entwurfstexte dem erweiterten Kreis der beteiligten Staaten zur Kommentierung und Diskussion vorgestellt werden. Das Dokument analysiert die nationalen Berichte und identifiziert Gemeinsamkeiten, Unterschiede sowie Erkenntnisse aus den verschiedenen Standortauswahlverfahren.

Drei Ansätze der Standortauswahl

Ein zentrales Thema des technischen Dokuments ist die methodische Vielfalt nationaler Standortauswahlverfahren. Die untersuchten Programme lassen sich grundsätzlich drei Ansätzen zuordnen: dem zustimmungsbasierten beziehungsweise freiwilligen Ansatz, bei dem die Zustimmung potenzieller Standortregionen Voraussetzung für die Standortauswahl ist; dem geowissenschaftlich-technischen Ansatz, der primär auf wissenschaftlichen und technischen Kriterien basiert; sowie hybriden Ansätzen, die Elemente beider Modelle kombinieren. Gemeinsam ist allen Verfahren die schrittweise Eingrenzung der Untersuchungsräume auf Grundlage einer fortlaufend erweiterten Daten- und Informationsbasis.

Die Standortauswahlkriterien bilden die Grundlage der regionalen Eingrenzung potenzieller Standortgebiete. Sie müssen internationale und nationale regulatorische Rahmenbedingungen sowie nationale Strategien berücksichtigen. Hinzu kommen wesentliche Aspekte der Sicherheitsanalyse, beispielsweise Abfallinventare, nationale Sicherheitsstrategien, länderspezifische geologische und klimatische Randbedingungen, Anforderungen des Umweltschutzes sowie sozioökonomische Aspekte einschließlich der Beteiligung von Interessengruppen.

Regionale Anpassung

Der aktuelle Entwurf des technischen Dokuments zur Standortauswahl basiert auf Erfahrungen einiger fortgeschrittener Programme in Europa, Kanada, Japan und Korea. Während der letzten Plenarsitzung im November 2025 wurde deutlich, dass die länderspezifischen Randbedingungen weiterer Staaten in Südamerika, Afrika, Asien und anderen Regionen im Dokument stärker berücksichtigt werden müssen. Dies betrifft geologische Eigenschaften wie Seismizität, Vulkanismus und tektonische Aktivität, projizierte klimatische Entwicklungen in tropischen und ariden Regionen ohne erwartete zukünftige Vergletscherungsphasen sowie kulturelle, religiöse und politische Aspekte im Zusammenhang mit der Einbindung indigener Gemeinschaften. Der Entwurf wurde im Anschluss an die Plenardiskussion entsprechend überarbeitet.

Kontext und weitere Schritte

Das Consultancy Meeting im Mai 2026 stellt einen weiteren Schritt in einem seit 2019 laufenden Prozess dar. Die Fertigstellung des technischen Dokuments wird für 2027 erwartet. Es soll der internationalen Endlager-Community eine strukturierte Referenz zu Ansätzen und Erfahrungen der Standortauswahl in unterschiedlichen nationalen und geologischen Kontexten bereitstellen.

Der Beitrag von BGE TEC zu dieser Initiative steht im Einklang mit ihrem umfassenderen Engagement in Aktivitäten der IAEA im Bereich der Entsorgung radioaktiver Abfälle.